
Tinnitus Therapie
Ein Tinnitus wird von Betroffenen als Pfeifen, Rauschen, Summen oder Brummen beschrieben – oft dauerhaft, manchmal schwankend, teils stressverstärkend. Die Tinnitus Therapie in der Hörakustik verfolgt das Ziel, den Ton nicht zu „beseitigen“, sondern seine Bedeutung im Alltag zu reduzieren, die Hörverarbeitung zu entlasten und eine bessere emotionale Kontrolle zu ermöglichen. Unsere Vorgehensweise stützt sich auf Hörmessung, Beratung, Hörgeräte-/Noiser-Versorgung, Hörtraining und begleitende Strategien.
Was wir unter Tinnitus Therapie verstehen
Die Therapie richtet sich an Menschen mit chronischem Tinnitus, unabhängig davon, ob eine Hörminderung vorliegt. Zentrale Bausteine sind:
- Aufklärung & Stressentkopplung – Verstehen, warum der Ton entsteht und warum er lauter wirkt.
- Hörsysteme oder Noiser – gezielte Klangtherapie zur Entlastung des auditiven Systems.
- Hörtraining – Fokusverlagerung, Filterfähigkeit, verbesserte Sprachverarbeitung.
- Kombinationstherapie bei Hörverlust – Hörgerät + Tinnitusfunktion.
- Anleitung zu Klang- & Entspannungstechniken – z. B. bei Schlafproblemen oder innerer Unruhe.
Wann Tinnitus hörakustisch unterstützt werden kann
- Wenn der Tinnitus mit Hörminderung einhergeht (sehr häufig).
- Wenn Sprache im Alltag anstrengend wird → Hörstress fördert Tinnitus-Wahrnehmung.
- Wenn Stille den Ton lauter erscheinen lässt.
- Wenn Konzentration, Schlaf oder Alltag belastet sind.
- Wenn der Tinnitus trotz medizinischer Abklärung bestehen bleibt.
Ablauf der Tinnitustherapie bei uns
- Anamnese & Tinnitus-Interview: Tonart, Lautheit, Situationsauslöser, Stressfaktoren.
- Höranalyse: Audiometrie, Sprachverstehen, Frequenzabgleich mit Tinnituswahrnehmung.
- Tinnitus-Matching: Bestimmung von Frequenz & Lautstärke des Tones.
- Versorgungsweg: Hörgeräte mit Tinnitus-Programm, Rauschgenerator (Noiser) oder Kombination.
- Gewöhnungs- & Filtertraining: Klangtherapie, Hörtraining, Strategien für Alltag & Schlaf.
- Verlaufskontrolle: Anpassung der Programme, Dokumentation von Lautheitsveränderung & Belastung.
Therapieformen im Überblick
- Hörgeräte mit Tinnitusfunktion: Verstärken Sprache, mindern Hörstress, überdecken Tinnitus.
- Noiser / Rauschgenerator: sanfte Klanghintergründe zur Gewöhnung („Habituation“).
- Kombinationssysteme: Hörgerät + Noiser in einem Gerät.
- Tinnitus-spezifisches Hörtraining: Aufmerksamkeit umlenken, Hörfilter stärken.
- Therapeutische Klangkulissen: Naturgeräusche, Fraktal-Töne, „Notch-Therapie“.
Wichtige Grundlagen
- Tinnitus ist ein Hörwahrnehmungsphänomen, oft als Folge fehlender Hörreize im Innenohr.
- Das Gehirn verstärkt Signallücken – Hörgeräte können diese wieder füllen.
- Stress & Aufmerksamkeit beeinflussen die Lautheit spürbar.
- Therapie bedeutet Kontrolle statt „Ausschalten“ – und das ist erreichbar.
Häufige Fragen zur Tinnitus-Therapie
Kann der Tinnitus komplett verschwinden?
Das ist individuell unterschiedlich. Viele Betroffene berichten jedoch, dass er deutlich leiser, seltener wahrgenommen oder nicht mehr störend ist – vor allem nach Hörgeräte- oder Noiser-Versorgung.
Hilft ein Hörgerät auch ohne ausgeprägte Schwerhörigkeit?
Ja – speziell programmierte Tinnitus-Geräte oder Rauschmodule können Entlastung bringen, selbst wenn das Hörvermögen noch im Normbereich liegt.
Ist Tinnitus immer ein Ohrproblem?
Nein – er entsteht im Hörzentrum des Gehirns, nicht im Ohr selbst. Daher reicht reine Ohrenmedizin oft nicht aus, und Akustik + Verhaltenstherapie + Stressregulation ergänzen sich sinnvoll.
Ist die Therapie zeitlich begrenzt?
Meist dauert die Einstell- und Gewöhnungsphase einige Wochen bis Monate. Danach stabilisiert sich der Umgang spürbar.
Unser Ansatz
Wir kombinieren Hörtechnik, Messung, Klangtherapie und alltagsnahe Begleitung – individuell, strukturiert und ohne pauschale Standardlösungen. Ziel ist nicht das „Wegmachen“, sondern mehr Ruhe im Kopf, bessere Hörverarbeitung und ein entspannterer Alltag.